Eine Stadt. Viele Masken. Eine Wahrheit.
Die Straße ist die Bühne. Das Stück heißt Überleben.
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Lilas Welt – Schauplätze und Dinge aus dem Wien von 1947

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Lilas Welt

Was hinter den Episoden liegt

Menschen
092 – Ein Kind im Hof
Der Innenhof eines Wiener Zinshauses im Herbst 1947 riecht nach feuchtem Kalk, kaltem Rauch und schlechter Seife. An der Mauer, genau an der Grenze zwischen dem Schatten des Stiegenhauses und dem fahlen Nachmittagslicht, hockt eine kleine Figur. Die Knie sind aufgeschlagen, die Ränder der Wunden mit Pflasterstaub bedeckt. Die Schuhe sind offensichtlich um zwei Nummern […]
Menschen
091 – Der Bühnenarbeiter
Die Illusion hat eine klare Grenze. Sie endet am schweren Vorhang der Seitenbühne. Wer einen Schritt dahinter tritt, verlässt den Glanz und betritt eine Werkstatt. Es riecht nach erhitztem Staub, feuchtem Segeltuch, Maschinenfett und kalter Zugluft. Hier gibt es keine Dramen. Hier gibt es Schwerkraft, Hebelgesetze und knappe Hände. Das Wiener Theater der Nachkriegszeit ist […]
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090 – Der Kaffeehausgast
Ein Glas Leitungswasser, das seit zwei Stunden nicht mehr angerührt wurde. Eine Tasse lauwarmes, trübes Gebräu, das nach gerösteter Zichorie, Gerste oder Feigenkaffee schmecken konnte. Eine speckige Zeitung an einem Lesestock, das Papier vom ständigen Umblättern weich und grau. Dahinter: ein Körper in einem Mantel, der nicht abgelegt wird, weil der Raum kaum wärmer ist […]
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088 – Die Trafikantin
Eine Trafik roch im Winter 1947 nicht nach Luxus. Sie roch nach feuchtem Zeitungspapier, nach dem sauren Biss von billigem Machorka und nach der nassen Wolle von Menschen, die zu lange in der Kälte gestanden hatten. Im Zentrum dieses Geruchs, oft hinter einer kleinen, beschlagenen Glasscheibe: die Trafikantin. Offiziell war sie Verkäuferin im System des […]
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069 – Die Putzfrau sieht alles
Wer 1947 in Wien einen Boden schrubbt, tut das nicht mit warmem Wasser. Es ist kalt, oft eisig. Man reinigt mit Kernseife, Soda, scharfen Laugen oder dem, was gerade verfügbar ist. Das Wasser im Blecheimer wird schnell trüb, die Haut reißt auf, das grobe Holz des Schrubbers scheuert an den nassen Fingern. Die Knie werden […]
Menschen
025 – Heimkehrer
Die Rückkehr beginnt im Zugluftkorridor des Westbahnhofs. Sie riecht nach Kohlenstaub, feuchter Wolle und unausgeschlafenem Warten. Ein Mann steht auf einer Türschwelle. Der Mantel hängt zu schwer an den Schultern, der Koffer aus gepresster Pappe ist schmal. Er hebt die Hand zum Klopfen. Drinnen sitzt eine Familie, die jahrelang auf ein Lebenszeichen gehofft hat. Wenn […]
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