Menschen
092 – Ein Kind im Hof
Der Innenhof eines Wiener Zinshauses ist kein Spielplatz. Er ist ein Schacht aus Stimmen, Fenstern, Wäscheleinen und Pflaster. An der Mauer, genau an der Grenze zwischen dem Schatten des Stiegenhauses und dem fahlen Nachmittagslicht, hockt eine kleine Figur. Die Knie sind aufgeschlagen, die Ränder der Wunden mit Pflasterstaub bedeckt. Die Schuhe sind offensichtlich um zwei […]
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091 – Der Bühnenarbeiter
Die Illusion hat eine klare Grenze. Sie endet am schweren Vorhang der Seitenbühne. Wer einen Schritt dahinter tritt, verlässt den Glanz und betritt eine Werkstatt. Hier gibt es erhitzten Staub, feuchtes Segeltuch, Maschinenfett und kalte Zugluft. Keine Dramen, stattdessen Schwerkraft, Hebelgesetze und raue Hände. Das Wiener Theater der Nachkriegszeit ist kein reiner Ort der Kunst, […]
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090 – Der Kaffeehausgast
Ein Glas Leitungswasser, das seit zwei Stunden nicht mehr angerührt wurde. Eine Tasse lauwarmes, trübes Gebräu, das nach gerösteter Zichorie, Gerste oder Feigenkaffee schmecken konnte. Eine speckige Zeitung an einem Lesestock, das Papier vom ständigen Umblättern weich und grau. Dahinter: ein Körper in einem Mantel, der nicht abgelegt wird, weil der Raum kaum wärmer ist […]
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069 – Die Putzfrau sieht alles
Wer im Nachkriegswien einen Boden schrubbt, tut das nicht mit warmem Wasser. Es ist kalt, oft eisig. Man reinigt mit Kernseife, Soda, scharfen Laugen oder dem, was gerade verfügbar ist. Das Wasser im Blecheimer wird schnell trüb, die Haut reißt auf, das grobe Holz des Schrubbers scheuert an den nassen Fingern. Die Knie werden feucht […]
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