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Eine Stadt. Viele Masken. Eine Wahrheit.
Die Straße ist die Bühne. Das Stück heißt Überleben.
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Lilas Welt – Schauplätze und Dinge aus dem Wien von 1947

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Lilas Welt

Was hinter den Episoden liegt

Menschen
087 – Der Hausmeister
Das Haus gehört nicht nur dem Eigentümer. Es gehört auch demjenigen, der die Schlüssel hat. In der Nachkriegsstadt ist der Hausmeister weniger ein Beruf als eine architektonische Funktion. Ein grauer Arbeitsmantel im Zwielicht des Stiegenhauses. Das metallische Klirren eines schweren Schlüsselbunds, das hart an das Gusseisengeländer schlägt, reicht oft aus, um ein Stiegenhaus still werden […]
Menschen
092 – Ein Kind im Hof
Der Innenhof eines Wiener Zinshauses ist kein Spielplatz. Er ist ein Schacht aus Stimmen, Fenstern, Wäscheleinen und Pflaster. An der Mauer, genau an der Grenze zwischen dem Schatten des Stiegenhauses und dem fahlen Nachmittagslicht, hockt eine kleine Figur. Die Knie sind aufgeschlagen, die Ränder der Wunden mit Pflasterstaub bedeckt. Die Schuhe sind offensichtlich um zwei […]
Menschen
091 – Der Bühnenarbeiter
Die Illusion hat eine klare Grenze. Sie endet am schweren Vorhang der Seitenbühne. Wer einen Schritt dahinter tritt, verlässt den Glanz und betritt eine Werkstatt. Hier gibt es erhitzten Staub, feuchtes Segeltuch, Maschinenfett und kalte Zugluft. Keine Dramen, stattdessen Schwerkraft, Hebelgesetze und raue Hände. Das Wiener Theater der Nachkriegszeit ist kein reiner Ort der Kunst, […]
Menschen
090 – Der Kaffeehausgast
Ein Glas Leitungswasser, das seit zwei Stunden nicht mehr angerührt wurde. Eine Tasse lauwarmes, trübes Gebräu, das nach gerösteter Zichorie, Gerste oder Feigenkaffee schmecken konnte. Eine speckige Zeitung an einem Lesestock, das Papier vom ständigen Umblättern weich und grau. Dahinter: ein Körper in einem Mantel, der nicht abgelegt wird, weil der Raum kaum wärmer ist […]
Menschen
088 – Die Trafikantin
Eine Trafik war kein Ort des Luxus. Sie roch nach feuchtem Zeitungspapier, nach dem sauren Biss von billigem Machorka und nach der nassen Wolle von Menschen, die zu lange in der Kälte gestanden hatten. Hinter der kleinen, beschlagenen Glasscheibe saß die Trafikantin. Offiziell war sie Verkäuferin im System des staatlichen Tabakmonopols. Trafiken waren seit Langem […]
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069 – Die Putzfrau sieht alles
Wer im Nachkriegswien einen Boden schrubbt, tut das nicht mit warmem Wasser. Es ist kalt, oft eisig. Man reinigt mit Kernseife, Soda, scharfen Laugen oder dem, was gerade verfügbar ist. Das Wasser im Blecheimer wird schnell trüb, die Haut reißt auf, das grobe Holz des Schrubbers scheuert an den nassen Fingern. Die Knie werden feucht […]
Menschen
025 – Heimkehrer
Die Rückkehr beginnt nicht mit einer Umarmung. Sie beginnt mit einem schmalen Koffer aus gepresster Pappe, einem Entlassungsschein und einer Tür, vor der ein Mann zu lange stehen bleibt. Der Mantel hängt zu schwer an den Schultern. Er hebt die Hand zum Klopfen. Drinnen sitzt eine Familie, die jahrelang auf ein Lebenszeichen gehofft hat. Wenn […]
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