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098 – Wegsehen als Überlebenstechnik
Im Winter 1947 war das Wegsehen nicht nur moralische Schwäche. Es war ein trainierter Muskel. Wer in der kalten Straßenbahn saß, während draußen Militärpolizisten oder Wachleute jemanden anhielten, fixierte den Frost im Fensterglas. Wer im Stiegenhaus hastige, schwere Schritte hörte, wartete hinter der eigenen Holztür, bis sie verklungen waren. Man schaute auf den Asphalt, auf […]
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062 – Der Schwarzmarktpreis
Papier wärmt nicht. Wer im Winter 1947 versuchte, mit einem Bündel frischer Schillinge eine Gefälligkeit zu kaufen, konnte erleben, dass Naturalien, Zigaretten oder Medikamente mehr Gewicht hatten als Papiergeld. Der Wert der Dinge hatte sich verschoben. Er wurde nicht mehr von Banken gedruckt. Er wuchs in der Erde, er lag in Röhrchen, er rauchte. Die […]
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061 – Wohnen nach 1945
Ein Zimmer in Wien ist im Winter 1947 kein Zuhause. Es ist eine Überlebensgleichung. Die Variablen sind vier intakte Wände, ein Fenster, das mit Pappe und Klebestreifen gegen die Zugluft abgedichtet ist, und ein Kachelofen, der Kälte abstrahlt, weil die Kohle fehlt. Wohnen ist kein privater Rückzugsort, sondern ein rein physischer, oft nur vorübergehend geduldeter […]
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038 – Deserteure nach 1945: Niemand wollte zurück
Der Krieg endete auf dem Papier an einem Tag im Mai. In den Stiegenhäusern Wiens endete er nie. Auf Bahnhöfen der Nachkriegsstadt standen 1947 Männer, die aussahen wie alle anderen Heimkehrer. Graue Wehrmachtsmäntel ohne Abzeichen, abgemagerte Gesichter, schlechtes Schuhwerk, der Geruch nach nasser Wolle und Karbol. Aber manche von ihnen trugen keinen Entlassungsschein in der […]
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026 – Frieden mit Schlagbäumen
Warum Wien 1947 zwar nicht mehr Krieg war, aber noch lange nicht Frieden. Ein Schild an einer nassen Kreuzung. Der Geruch nach schlechtem Diesel aus dem Auspuff eines stehenden Jeeps, dessen Motor im Leerlauf nagelt. Ein hartes, kurzes Kommando in einer fremden Sprache. Der Krieg war 1947 vorbei, die Bomben fielen nicht mehr. Aber das […]
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023 – Trümmerfrauen / Trümmerarbeit
Kalkstaub legte sich auf alles. Auf die Ränder der dünnen Mäntel, auf rissige Schuhe, in die Falten der Gesichter und tief in die Lungen. Wer 1947 durch Wien ging, atmete die zerbrochene Stadt ein. Die Straßen waren keine durchlässigen Adern mehr, sondern Schluchten aus Schutt. Aus verbogenen Eisenträgern, zersplittertem Glas und rutschenden Bergen von Mauerwerk. […]
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013 – Was stand in den Zeitungen?
Der Kiosk bot keinen Schutz vor dem Wind. Man las im Gehen, mit klammen Fingern, oder in Kaffeehäusern, deren Heizung so unzuverlässig war wie der Mokka-Ersatz. Das Zeitungspapier dieser Jahre war oft dünn, gräulich und roch scharf nach minderwertiger Druckerschwärze. Was in Wien auf die Seiten gepresst wurde, war kein Zeitvertreib. Es war ein Überlebenswerkzeug. […]
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011 – Was hörte Wien 1947?
Eine Röhre glüht hinter der Stoffblende eines hölzernen Küchenradios. Aus einem gekippten Fenster in den Trümmergassen fällt ein dünner, knisternder Klang auf den nassen Asphalt. Es ist kein Walzer. Es ist ein Rauschen, das sich zu einem Takt formt, bevor der Wind es wieder zerfetzt. Wien klang 1947 nicht einheitlich. Es gab keine große, harmonische […]
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005 – Vier im Jeep
Wenn sich das heulende Geräusch eines schweren Militärmotors auf dem nassen Kopfsteinpflaster näherte, senkten die Passanten den Blick. Im Winter 1947 war dieses Geräusch längst Teil der Stadt, und wer auf der Straße unterwegs war, wollte unsichtbar bleiben. Das Fahrzeug, das langsam aus dem Nebel brach, strahlte eine physische Bedrohung aus. Es roch nach Benzin, […]
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