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012 – Das Souterrain
Ein Souterrain ist kein Keller. Noch nicht ganz. Es liegt unter der Straße, aber nicht völlig außerhalb der Welt. Die Fenster sitzen tief, oft knapp über dem Gehsteig. Wer drinnen steht, sieht Beine, Schuhe, Räder, Regenwasser, Staub und das Licht knapp über dem Pflaster. Tageslicht kommt schräg herein, gebrochen durch Schmutz, Gitter und die Nähe […]
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010 – Der erste Bezirk
Die Innere Stadt war nach dem Krieg kein historisches Schmuckstück. Sie war ein steingewordenes Paradox. Am Ring standen ausgebrannte Fassaden, Palais mit blätterndem Putz, Hotels unter fremder Verwaltung und Kanzleien, die bereits wieder funktionierten. Wer durch den ersten Bezirk ging, spürte nicht nur Zerstörung. Er spürte Ordnung. Alte Ordnung, neue Ordnung, fremde Ordnung. Alles zugleich. […]
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009 – Das Kaffeehaus ohne Kaffee
Die Tasse wird nicht heiß. Die dunkle Flüssigkeit darin riecht nach gerösteter Gerste, Zichorie und Asche, aber nicht nach Kaffee. Am Marmortisch stand eine Tasse, die nur noch die Form von Kaffee behauptete. Ersatzkaffee aus Zichorie, Gerste, Malz, Roggen oder Feigen hielt die Geste am Leben, nicht den Geschmack. Man zahlte nicht für Genuss. Man […]
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008 – Das Kino im Nachkriegs-Wien
Ein Kino war in den ersten Nachkriegsjahren mehr als ein Raum mit Leinwand. Man kaufte eine Eintrittskarte nicht nur für einen Film. Man kaufte Dunkelheit, Wärme, Anonymität und neunzig Minuten, in denen niemand nach Papieren fragte. Die hölzernen Klappsitze waren hart, die Heizung unzuverlässig, der Strom nicht selbstverständlich. Aber sobald der Projektor lief, entstand ein […]
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007 – Das Burgtheater nach 1945
Das Haus am Ring war nach dem Krieg eine Brandruine. Dach und Innenräume waren zerstört, die Fensterhöhlen standen schwarz. Die Fassade blieb sichtbar, gerade weil das Innere fehlte. Das Burgtheater, Wiens säkulare Kathedrale, war im Frühjahr 1945 ausgebrannt. Doch in einer Stadt, die im Hungerwinter um das nackte Überleben kämpfte, bedeutete ein zerstörtes Gebäude nicht, […]
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